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Vortrag: Generation Y erobert mit neuen Wertvorstellungen die Arbeitswelt

„Generationsübergreifend zusammenarbeiten, faire und wertschätzende Arbeitsbedingungen schaffen und den Wertewandel als Chance begreifen“, sind für die Referentin Sigrid Knorr wesentliche Säulen für die Zukunft der Unternehmen.

„Generationsübergreifend zusammenarbeiten, faire und wertschätzende Arbeitsbedingungen schaffen und den Wertewandel als Chance begreifen“, sind für die Referentin Sigrid Knorr wesentliche Säulen für die Zukunft der Unternehmen. Der demografische Wandel fordert die Wirtschaft heraus: Überalterung der Belegschaft, Rückgang der Erwerbspersonen und Fachkräftemangel müssen erfolgreich bewältigt werden. Die Generation Y ist das Zünglein an der Waage für Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und unternehmerischen Erfolg. Gesagt, getan. Sigrid Knorr schafft schnell Atmosphäre, bindet die Erfahrungen der Gäste ein, lässt Vertreter der Generation Y  selbst zu Wort kommen. Zwei erfrischende Abendstunden sollten vor uns liegen. Die Gründerin von Y-Potential ist zu Gast im Bürgerhaus Dreieich-Sprendlingen – eingeladen vom Frauenbüro Dreieich, Karin Siegmann, und dem Büro für Staatsbürgerliche Frauenarbeit e.V.  in Wiesbaden.

Die Expertin für Young Professionals verhehlt nicht ihre Sympathie für die Generation Y, geboren zwischen 1980 und 1995, erzählt von einer Erfahrung als langjährige Trainerin und Personalverantwortliche bei HP: „Ein junger Bewerber hat als erstes nach der ‚Work-Life-Balance‘ gefragt und damit den 48-jährigen Prokuristen vor den Kopf gestoßen. Der Jobsuchende hatte mehr keine weitere Frage“. In dieser Begegnung sei ihr erstmals klar geworden, dass sich in unserer Berufswelt etwas gravierendes zu ändern beginnt, eine Generation mit völlig neuen Wertevorstellungen das Parkett betritt: die Digital Natives oder auch Millenials sind technikaffin, gut qualifiziert, selbstbewusst und individuell, auch orientierungslos und sprunghaft, akzeptieren keine Autoritäten, brauchen Flexibilität in Raum und Zeit, sind leistungsbereit bei gleichzeitigem Streben nach Sinn und Spaß. Der Prokurist hingegen, so Sigrid Knorr, ist ein Vertreter der Babyboomer-Generation (1956-1965): er stellt Autoritäten nicht in Frage, lebt um zu arbeiten, riskiert als Workaholic sein Burn-out, ist statusorientiert. Auf einer Folie zeigt sie ein Teamfoto, gibt den erwähnten Vertretern der beiden Generationen einen Namen – Julia Garcia und Dr. Gerhard Müller. „Damit diese beiden gut zusammenarbeiten können, habe ich mich selbstständig gemacht.“

Am Abend werden aber auch die Herausforderungen für beide genannten Generationen deutlich. Eine Frau aus dem Publikum, Angehörige der „Babyboomer“, leidet unter ihrem jungen Chef. Gehöre es zu ihren Tugenden, auch schwierige Phasen in Projekten durchzustehen und sich auch mal durchzubeißen, verhalte sich ihr Generation Y-Vorgesetzter sprunghaft, stampfe ein Projekt ein, wenn es schwierig werde, klemme sich nicht dahinter. Eine junge Teilnehmerin in der Runde bestätigt. „Wir haben viele Möglichkeiten, wenn uns was nicht gefällt, wir keinen Sinn darin sehen, brechen wir ab. Auch Freundschaften und soziale Beziehungen.“ Sigrid Knorr kennt dieses Verhalten aus ihren Coachings Workshops mit Berufseinsteigern: „Die gehen, wenn´s ihnen nicht passt – und wissen, dass sie was Besseres finden.“ Darauf müssten sich Unternehmen einstellen, ihre Arbeitskultur dringend ändern. Schließlich bezahlten sie einen hohen Preis, wenn nach der Einarbeitungszeit der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt und neues Personal rekrutiert werden müsse. Und das ist auf dem Arbeitsmarkt eine begrenzte Ressource.

Es bleiben Fragen – aber die Chancen überwiegen. Die Referentin überzeugt mit ihrem fachlich fundierten und empathischen Impulsvortrag,  der Abend bleibt über zwei Stunden spannend, das Publikum ist bis zur letzten Minute bei der Stange, bringt sich auch bei der Feedbackrunde um 22 Uhr munter ein. Man darf auf das nächste Thema der Referentin gespannt sein.

Fotos und Text: Johann Kneißl, www.allemunde.de

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